… als das erste Mal das Thema “Wir suchen eine gemeinsame Wohnung” aufkam. Wir wissen ja alle – Frauen sind die Venus, Männer der Mars. Das trifft zu. Bei uns hieß das explizit: Zwei ausgewachsende Individualisten, die ihren eigenen Kopf haben und beide die letzten Jahre jeweils in unterschiedlichen (erschwerend durch Süd-Nord-Trennung), liebgewonnenen Berliner Kiezen in einer Dachgeschosswohnung gehaust haben. Ja, die beiden Menschen wollen nun zusammen ziehen. Es klingt kompliziert, ist es auch.
Wir wussten das und deshalb tasteten wir uns nur ganz vorsichtig ran an die Immobilienanzeigen der einschlägigen Portale. Wochenlang Bilder gucken, Beschreibungen lesen, Bedürfnisse und Wünsche (wir wissen jetzt Wünsche sind nicht dasselbe wie Bedürfnisse) sammeln und Prioritäten stecken.
Die letzten 30 ähhh 28 Jahre Wohnerfahrungen – die Liebe zur Badewanne, Parkettboden und Balkonen haben Menschenbeziehungen überlebt. Die Couch, die Wände, sie kennen die Geschichten, Gespräche und Parties und haben uns immer ein Zuhause geboten. All das stopften wir in unseren gemeinsamen Wünschesack. Geschüttelt mit Neugierde blieben wir wochenlang dann doch immer an einem Objekt hängen: Der Alten Mälzerei Pankow.
In der Neuen Schönholzer Straße, wo der Nürnberger Investor „Terraplan“ das finanzielle und abenteuerliche Kunststück fertigbrachte, das Industriedenkmal der alten Mälzerei mit ihren märchenhaften Schornstein-Türmchen am Rande der Mühlenstraße um- und auszubauen. Keiner wollte die gelben Backsteinziegelbauten haben, bis die wagemutigen Franken kamen, fast 40 Millionen Euro investierten und mit einem Potsdamer Architekten 140 Wohnungen mit Größen von 45 bis 270 Quadratmetern ausbauten. „Ich bin hier einfach nur happy“, sagt Karin Sparmann, die vor ein paar Monaten eingezogen ist. Seither gibt es einen regelrechten Run interessierter Schaulustiger mit vielen Fragen, „manche Wohnungen sind bis zu sechs Meter hoch“, erklärt die glückliche Mieterin, „gewölbte Decken, exklusive Ausstattung, Parkett, Bäder inmitten der Stube, alles vom Feinsten. (Tagesspiegel.de, 08.06.2011)
Nach einer(!!!) Besichtigung und nur 3 (!!!) unterschiedlichen Wohnungen hat uns das Gebäude “Minervasuiten” auf dem Gelände überzeugt. Der Baubschnitt, der aktuell noch fertig gestellt wird (andere Teile der Mälzerei sind seit mehreren Monaten bewohnt), hielt eine Erdgeschosswohung frei, die sich mit Privatgarten und 4,50 m Deckenhöhe flux in unser Herz geschossen hat. In der Wohnhalle, in dem wir später Küche, Esszimmer und Wohnen vereinen, stand früher Kessel und Ofen für das Malz der Schultheiss Brauerei. Unter dem Motto “Pure Vernunft darf niemals siegen” (Yeah, Die Sterne!) haben wir Nägel mit Köpfen gemacht, Mietvertrag unterschrieben und bereiten nun unsere Umzüge der beiden zwar schönen, aber jetzt doch schon fast langweiligen Dachgeschosse in 5 Wochen vor.
Ab 01.10. erwartet uns der alte Industriecharme, der größenteils erhalten geblieben ist und mit moderner Wohnungsausstattung ergänzt wurde. Der alte Schriftzug “Kohleneingang” prangt über einem unserer 3,80 m hohen Fenstern und lässt mein Herz pumpern, dass wir bald zu Dritt
an unserem Kamin sitzen und Rotwein, wahlweise Eierlikör und Rosésekt und für die Kleinste natürlich nur Wasser trinken. Dann darf auch der Winter kommen. Und wenns dann richtig kuschelig ist, gibts auch erste Einladungen zum mittrinken. Ich freu mich!
P.S.: Ein Roman ist es also nicht geworden, wir mussten uns weder mit unzähligen Maklern noch Mitbewerbern und x-fachen Selbstauskünften herumschlagen. Die gesparte Energie geht nun für die gemeinsame Einrichtung drauf, da wir auch dabei wissen, das Geschmäcker verschieden sind. Aber auch dazu irgendwann später mehr.